Gesamtplatz 3 bei der polnischen Beskidy Trophy

Es ist geschafft…

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Nach einer optimalen Vorbereitung, mit harten und langen Trainingseinheiten und einem Besuch des neuen Bikeparks in Sankt Andreasberg, ging es noch kurz vor der Abfahrt zum Bergrennen ins thüringerische Seligenthal. 7km und 380hm galt es zu bezwingen. Ich fühlte mich die meiste Zeit nicht richtig frisch und quälte mich die ganze Zeit nur die Kurbel rum zu bekommen. Am Ende landete ich auf einem guten zweiten Platz, hinter Kollege Christian Kreuchler.

Aber nun zum Hauptteil!

Die polnische Rundfahrt Beskidy Trophy liegt hinter mir und was ich gesehen und erlebt habe ist mit nichts bisherigen zu vergleichen. Als Radsportler habe ich in meiner Karriere schon echt vieles befahren und erfahren dürfen.

Die Anfahrt zum Austragungsort Istebna in den Karpaten ist schon eine Geschichte wert. Bis tief nach Polen ging die Reise. Dort wo Polen, Slowakei und Tschechien aufeinander treffen.

Stundenlanger Stau, wo die Leute spazieren gingen und irgendwann einfach zurück gefahren sind, entgegen der Fahrtrichtung – in Deutschland unvorstellbar. Aber Spaß hat es gemacht.

Spät abends kamen wir dann endlich nach über 800km an. Ich war gespannt auf alles. Seit Wochen und Monaten freute ich mich endlich mal in anderen Bergen als den Alpen zu kämpfen. Die Unterkunft stellte fast alles in Schatten, was ich bisher bei Wettkämpfen als Bleibe hatte. Erwartet habe ich alles, nur nicht das:

Bomben Aussicht, absolut noble Einrichtung, Sauna, Bike Werkstatt und das nur für uns…hier bleibe ich…

Leider konnten wir uns aufgrund der späten Anreise erst am Morgen vor der ersten Etappe anmelden. Da erst um zehn Uhr Start war, ging dieses aber ohne jeglichen Stress. Knapp 400 Starter aus 21! Nationen standen in dem riesigen Start-Ziel-Bereich am Start und man sah schon ein paar bekannte Gesichter dazwischen. Genauso wie mich, kannte auch ich kaum die Konkurrenz aus Polen, Tschechien, Russland, Ukraine usw. Das machte die Sache noch spannender.

Alles was ich über das Rennen wusste, erfuhr ich über Videos, Geschichten und aus der Presse.

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Gleich nach dem Startschuss ging es nach kurzer Ortsdurchfahrt rein in den tiefen Wald. Sofort wurde das Gelände rauer, steiniger, steiler und fast unfahrbar. Ich konnte mich die meiste Zeit in der Spitze um Gesamtsieger Patryk Piasecki (JBG 2 Team) aus Polen halten. Leider gab es zwei kleine Fehlleitungen und einen Platten. Trotzdem schaffte ich es auf einen dritten Tagesrang und war sehr erstaunt über meine Leistung. Die Strecke war mit 60km und 2500hm ein ordentlicher Ritt und so gut wieder jeder Meter bestand aus harten Waldwegen, Trails und Pfaden. Vieles ist gerade so fahrbar. So etwas gibt es sonst nie. Aber das ist Mountainbike! Kein Asphalt, keine ewigen Schotterpassagen, einfach Natur pur.

Die zweite Etappe führte uns über 16 neutralisierte Kilometer nach Tschechien und der Start erfolgte fliegend ohne Pause. Wie auch gestern war das Tempo extrem hoch und sofort bildete sich eine sechsköpfige Spitzengruppe. Ich hatte heute einiges mehr zu kämpfen und musste mehrmals reißen lassen. Nur in den Abfahrten konnte ich ab und zu die Lücke schließen. Irgendwann war ich aber mit einem polnischen Kollegen allein in der Verfolgung. In den höheren Lagen fiel die Temperatur teils auf 7 Grad und das zog mir leider etwas zu viel Energie. Alex Stark, mein Team Kollege und aufgrund einer kommenden Erkältung zum umfunktionierten Betreuer, gab sein bestes und versorgte Floh Schön und mich so gut und oft wie es ging. Ich ließ meinen Begleiter zehn Kilometer vor dem Ziel fahren und versuchte mich noch irgendwie auf den fünften Tagesrang zu retten. Das gelang mir auch und völlig erschöpft erreichte ich nach fast 5h das Ziel. Insgesamt 93km und 3300hm standen zu Buche. In diesem Moment konnte ich mir absolut nicht vorstellen auch noch einen Meter zu fahren. Aber zwei Etappen mussten es noch sein und der dritte Gesamtrang lag nur wenige Sekunden vor mir.

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Lieder musste Floh nach einem Sturz die Etappe aufgeben, jetzt war ich der letzte Kämpfer aus dem Team.

Trotz der absoluten Schönheit von Landschaft und Strecke, freute man sich über jeden Meter zum durchatmen. Bergauf war oft nur mit den kleinsten Gängen zu bewältigen, hinzu kamen viele grobe Steine und Wurzeln und die Abfahrten verlangen nach Konzentration, etwas Risikobereitschaft und technisches Können, gerade unter dem Aspekt vorher mit 110% der Anstieg erklommen zu haben. Essen und Trinken musste man sich sowieso genauestens überlegen. So oft geht das nämlich nicht. Aber zum Glück bin ich nicht verdurstest oder verhungert, sondern genoss trotz alle dem jeden Meter auf diesem Boden.

Die dritte Etappe lief schon wieder viel Besser und nach hektischer Anfangsphase befand ich mich zusammen mit dem Deutschen Sebastian Szraucner (Cannondale) auf Platz 3/4. Wir arbeiteten das ganze Rennen super zusammen und wollten gemeinsam das Ziel erreichen. Nach 3,5h 66km und 2400hm fuhren wir gemeinsam über die Ziellinie der Bergankunft in Istebna und ich war wieder auf dem dritten Gesamtrang.

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Das Ziel der letzten Etappe war klar. Den dritten Rang halten und nichts riskieren. Der Veranstalter sagte schon am Anfang, dass die letzte Etappe allen in Erinnerung bleiben wird. Das sind doch super Aussichten. Aber was soll da noch kommen?

67km und 2900hm waren die Eckdaten und der Start verlief gemütlicher denn je. Es ging sogar auf einer Straße bergauf. Das sollte es aber nicht gewesen sein. Die letzten 200hm des ersten Anstieges war wieder (bei der Transalp, Bike4Peaks würde man sagen unfahrbar, sprich schieben) die Hölle: grobe Steine und ein enger Pfad führte uns den Berg hinauf. Oben angekommen ging der Spaß los. Ein total verwachsener, extrem steiler, steiniger, wurzeliger, glitschiger, ausgewaschener Pfad. Ich war froh als ich das überlebt habe und erst recht mein Material. So oder so ähnlich blieb es eigentlich das ganze Rennen. Nur die Berge waren insgesamt steiler als sonst. Oft konnte man sich spontan entscheiden auch zu schieben. Denn das war genauso schnell. Ich machte drei Kreuzzeichen, dass ich ein 32er Kettenblatt am Vorabend montiert hatte. Das rettete mich über den Tag.

Heute stand Kollege Floh immer in meinem Schatten und passte auf mich auf. Alex machte derweil wieder einen klasse Job und sorgte wie eine übermotivierte Mutter für uns. Großen Dank dafür!

Plötzlich passierte es doch noch. Floh war weg. Konkurrent und Freund Sebastian und ich hielten sofort an und schrieen durch den Wald. Nix… Zu Sebastian sagte ich er solle weiter fahren und weiter Gas geben. Ich hatte noch ein paar Minuten Vorsprung auf Platz vier. Der Zug für Platz zwei (hatte sich der fliegende Holländer Ramses Bekkenk- Team Koga Mitsubishi schon gesichert) war leider am zweiten Tag schon abgefahren. Also machte ich kehrt und kurbelte den Berg wieder hinauf. Nach knapp 1km sah ich Floh etwas weiter oben beim Pumpen. Puh, zum Glück nur ein Defekt. Ich drehte sofort um und gab noch mal richtig Gas.

Am Ende landete ich noch auf einem vierten Platz. Das heißt Gesamtrang Overall 3!!!

Das konnte ich kaum glauben und war so überglücklich. Ich war und bin extrem stolz. Schon viele Erfolge durfte ich feiern, aber das war wohl einer meiner größten und emotionalsten. Unter den ersten zehn Gesamt Platzierten, reihten sich neun verschiedene Nationen und zeigen wie international das Rennen ist.

Das Erlebnis werde ich nie vergessen und das wird nicht mein letzter Ausflug in dieser Richtung Europas gewesen sein. Landschaft, Menschen, Tradition und einfach richtiger Mountainbike Sport.

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Danke ans Team für den klasse Support!

Aber groß feiern ist nicht, denn in drei Wochen steht meine achte! Transalp an. Dieses Jahr mit meinem Kollegen Floh Schön. Ich freu mich schon riesig und spätestens dort gibt es Infos zu dem Plan, den wir vorhaben…seid gespannt. 😉

euer Schuchi

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