Das Jahr in Worten und ein Sieg am Ende…

Lang war es hier ruhig um mich geworden. Mein Tagesplan ist mittlerweile sehr voll und oft reicht es nur für eine kurze Schilderung der Rennen über Facebook, Instagram oder Twitter….schrecklich…

Mit meinem Jahr bin ich bisher sehr zufrieden, aber alles der Reihe nach.sportograf-85732284

Nach der Crosssaison und meinem persönlichem Erfolg der Cross DM, ging ich glücklich in eine zweiwöchige Pause. Danach war der Geist und Körper wieder hoch motiviert, aber mein kleiner Emil der zu der Zeit in den Kindergarten kam, schleppte einen Virus nach dem anderen nach Hause. Ich war ab da ständig krank und kam selbst im Trainingslager auf Cran Canaria nicht richtig auf die Beine. Zehn Tage Training waren geplant und nur drei Tage wurden es. Einen Tag kam es wie immer zur Übertreibung. Zusammen mit Christopher Maletz knackten wir die 5000hm Marke bei 200km und knapp acht Stunden Fahrzeit…

Nur wenige Tage später ging die Reise nach Portugal. Gesund war ich nicht, aber Absagen wollte ich ungern und die Portugal Tour als Training sollte Cran Canaria ersetzen. Mit Christopher startete ich beim Prolog auch gleich mit Vollgas. Doch einen Kilometer vor dem Ziel brach mir der Kurbelarm ab. Gewinde raus und Laufeinlage. Ein gutes Ergebnis war somit hin und die nächsten Tage fuhr ich zwar immer zügig aber nie mit 100%. Nach sieben Etappen landeten wir auf einem elften Gesamtrang und schlitterten nur knapp an den Weltranglistenpunkten vorbei.

Anschließend legte ich erneut eine Pause ein, ließ mich untersuchen und kümmerte mich um andere Dinge.

Nach der Ruhe folgte der Sturm und ich stellte mich bei einigen Straßenrennen an den Start. Unter anderem bei der Thüringer Elite Meisterschaft Straße, wo ich auf einem soliden sechsten Rang finishte.

Das Training lief in dieser Zeit weiter sehr gut und ich kam immer besser in Fahrt. Beim 3h Rennen in Bad Salzdetfurth holte ich noch einen zweiten Rang und anschließend merkte ich, wie die Form fast täglich besser wurde.

Ich startete hoch motiviert und bei regnerischen Wetter beim Inselsberg Marathon in Tabarz, was zugleich auf der Langstrecke mit 70km und 2400hm die Thüringer Meisterschaft war.

Mit dem Startschuss ordnete ich mich noch um Rang zehn ein und am ersten langen Anstieg von insgesamt drei langen pro Runde der zwei zu fahrenden, arbeitete ich mich langsam nach vorne. Ich hatte mir vor dem Rennen einen Wattwert als Grundlage am Berg gesetzt und hielt diesen penible ein. Nach dem ersten Berg hatte ich bereits knapp 10sek Vorsprung und machte mir in den folgenden Trails keinen Stress. Der dichte Nebel im Thüringer Wald und der Regen erschwerten die Fahrt, was mich jedoch nicht aus der Fassung brachte und ich vergrößerte meinen Vorsprung immer weiter. Auch die zweite Runde lief genial und nach glatt 3h erreichte ich mit einem unglaublichen Vorsprung von zehn Minuten das Ziel.

Nach vielen Jahren habe ich endlich das „Ding“ gewonnen und zudem die Meisterschaft von Thüringen. Überglücklich stand ich Zeitung und TV rede und Antwort. Ich bin sehr froh darüber das der MDR mir schon mehrmals ein klein wenig Fernsehzeit gegeben hat.

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Motiviert reiste ich nach Schleiz und kam dort bei einem neuen und schnelleren (30km/h Schnitt) Cross Country Rennen im Sprint aus einer vierer Gruppe auf den zweiten Rang. Einen Tag später sicherte ich mir den achten Platz beim GermanCyclingCup in Schleiz.

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Ein weiterer zweiter Platz stand beim Bergzeitfahren in Floh Seligenthal auf dem Papier und ich verbesserte dort deutlich meine alten Zeiten trotz schlechteren Bedingungen.

Mit einer guten Portion Vorfreude kam nun ein schönes Highlight auf mich zu. Es ging in die Schweiz nach Sankt Moritz zum neuen dreitägigen Engadin MTB Giro. Die Besetzung war Weltklasse und ein Ziel waren die ersten zehn. Ich bemerkte gleich, dass auf 1800m Höhe die Luft etwas dünner war und war gespannt wie ohne die entsprechende Anpassung laufen würde.

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Der erste Tag war ein 10km und mit knapp 1000hm langes Bergzeitfahren. Ich begann verhalten und kam immer besser in Fahrt. Leider fiel mir die Kette von der Kurbel und verklemmte sich. Nach kurzem Stopp ging die wilde Fahrt weiter. Ich sah von hinten einen der Favoriten Sascha Weber kommen. Er blieb erstaunlicherweise sehr lange hinter mir und zog erst zum Schluss an mir vorbei. Oben angekommen erreichte ich einen klasse zehnten Gesamtrang. Was wohl ohne meinen kleinen Defekt gewesen wäre…

Die folgenden beiden Tage fuhr ich nach einem üblen Sturz auf der zweiten Etappe auf Sicherheit um für die kommende Deutsche Meisterschaft kein weiteres Risiko einzugehen. Zum Schluss sprang ein 19. Rang heraus.

Eine Woche später folgte mein Höhepunkt des Jahres. Die Elite Marathon Meisterschaft in Saalhausen. 110km und 2990hm warteten auf die 125 Lizenz Fahrer.

Ich wusste um meine Form und meinen Willen ein Top 20 Ergebnis einzufahren mit der Hoffnung auf Top 15.

Das Niveau war nie so hoch und das wurde am ersten Anstieg auch gleich gezeigt. Nur 15 Fahrer überstanden den Krieg an der Spitze. Ich als Letzter der Gruppe.

Ich fand anschließend einen genialen Rhythmus und machte mich nie heiß bei Attacken und anderen Dingen.

Kurz vor Schluss ging es um den zwölften Rang. Ich gab mich zu schnell zufrieden und belegte einen für mich überragenden 14. Rang.

Es wäre eine Kleinigkeit mehr drin gewesen. Aber egal. Platz 14 steht in den Büchern und das bedeutet für mich die beste Platzierung einer Marathon DM in 15 Jahren Leistungssport.

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Den Urlaub an der Ostsee mit der Familie und ohne Rad hatte ich mir anschließend redlich verdient.

Es folgten wieder ein paar Straßenrennen unter anderem am Nürburgring und ein weiteres MUSS im Leben.

Die Legende, der Klassiker und das älteste MTB Marathon Rennen überhaupt. Der Schweizer Grand Raid Cristalp.

Gänsehaut pur beim Namen, Gänsehaut pur am Start.

Nach 900km Anreise kam ich am Startort Nendaz in der französischen Schweiz, nahe Genfer See an. Eine kurze Runde zeigt mir schon welche Kulisse dieses Rennen, im Schatten der viertausender Berge, bieten wird. Bereits um vier klingelte der Wecker und um 6:30Uhr erfolgte der Start der hunderten Athleten. Ich fand sofort einen schönen Rhythmus und hielt ohne Probleme die Spitzengruppe. Leider macht mir das fehlende Trinken irgendwann Probleme. Ich hatte selber keinen Betreuer und musste immer wieder anhalten um Getränke zu holen. Das kostete Zeit und auch die Spitzengruppe rückte in weite Ferne. Jedoch wurde ich auch nicht weiter eingeholt und kam nach ca. 4h an den berühmten „PasdeLona“ – 1000hm Schotterrampe und anschließende 500hm Trage und Schiebpassage bei 3Grad und Regen wurden zur unendlichen Qual. Ich befand mich fast auf 3000m über dem Meeresspiegel und es fanden sich hunderte Zuschauer zu diesem Spektakel ein. Plötzlich sah ich zwei Konkurrenten vor mir und sah wiederum wie diese beiden geschoben wurden. Keine Chance für mich und Protest war mir zu teuer (kostete 150 Franken, bekommt man kein Recht ist das Geld weg). Ich kam völlig erfroren nach 17km Abfahrt in Grimenz ins Ziel und belegte den vierten Rang. Ziel erreicht aber sauer auf meine Kameraden vor mir.

Die Schweizer Organisatoren stellten ein Event der Extraklasse auf die Beine und selbst die Ehrung für Platz vier war wirklich sehr toll. Gruß nach Deutschland… 😉

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Anschließend reiste ich zur Fuji Messe, zur Eurobike, war Führrungsfahrrad beim Heiligenstädter Kurparklauf usw. Volles Programm…

Ich befinde mich bereits seit einigen Tagen in der Vorbereitung für die kommende Crosssaison und kurz vor dem Start, wollte ich nochmals meine Beine testen. Denn so ganz ohne Wettkampf weiß man nie wo man genau steht.

Also reiste ich kurz entschlossen am letzten Wochenende in das erzgebirgische Geyer zum 16. Greifensteiner MTB Marathon.

90km und knapp 1600hm auf drei Runden galt es zu bewältigen. Ich kam vom Start an gut weg und kam mit der Strecke bestens klar. Meist sehr trocken und mit vielen fiesen Wurzelpassagen wurden wir ganz schön durchgeschüttelt. Nach der ersten 30km Runde waren wir eine sieben Mann starke Gruppe. Sobald man die Beine nur kurz hoch nahm, rollten Fahrer wieder auf, da die Anstiege zu kurz waren um große Abstände zu bekommen. Der erste Teil der Runde war steiler und technischer, der zweite schnell, flach und wurzelig zum Schluss. Das Ausscheidungsfahren wurde immer wilder und selbst die starken Straßenfahrer vom Team Ur Krostitzer bestimmten Teile des Rennens mit. Anfang der dritten Runde war mein Plan richtig Alarm zu machen und ich setzte mich in der ersten Abfahrt in die Spitze und zog immer wieder Attacken an um die Gruppe endlich zu zerstören ohne dabei den noch weiten Weg bis ins Ziel allein bestreiten zu müssen.

Nach drei sehr ordentlichen Versuchen war es dann so weit. Wir waren zu dritt und bolzten durch die letzte Schleife was möglich war. Fünf Kilometer vor dem Ziel kam der letzte kurze Anstieg. Ich ging verhalten und als letztes rein um zu sehen wie die beiden anderen noch so drauf sind. Schnell waren wir zu zweit und nun ging es um den Sieg mit Ghost Fahrer Benjamin Michael.

Ich blieb meist an seinem Hinterrad und wartete die Zeit ab. Es kam immer wieder zu Problemen mit überrundeten Fahrern, jedoch kam es dadurch zum Glück zu keiner Entscheidung. Nun waren es noch 500m und eine sehr hohe Bordsteinkante links oder eine flache Kante rechts kam vor dem Ziel als letztes Hindernis auf uns beide drauf zu. Ich zog die Risiko Variante vor und sprang hinauf, holte einen Meter auf und sprintete mit diesen und einem Puls von 202 überglücklich als Gesamtsieger ins Ziel!

Solche Rennen mag ich. Der Puls war ebenso der Hammer, zum Glück war er heute schon wieder bei 39…

Jetzt geht es ganz schnell bis zu den ersten Cross Rennen. Am 2.10 startet die Saison in Bad Salzdetfurth und ich hoffe ich komme mit erfreulichen Nachrichten wieder heim.

Danke für Eure Geduld und viel Gesundheit,

Grüße euer Schuchi

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